Am 21.07.26 nahm die Fachreferentin für Taubblindheit des KSL-MSi-NRW an einer spannenden Informationsveranstaltung online teil. Diese stellte das Projekt GaViD-Sinne (Ganzheitliche Versorgungsstützpunkte und interdisziplinäre Diagnostik für Menschen mit Sinnesbehinderungen) vor, welches die Diagnostik und Versorgung von Menschen mit Taubblindheit bzw. mit Verdacht auf Taubblindheit verbessern soll. In dem Projekt arbeiten interdisziplinäre Teams mit Pädagogen und Kliniken für Augenheilkunde und Hörzentren zusammen, um Taubblindheit richtig zu diagnostizieren und Betroffene anschließend zu beraten. Insbesondere bei Menschen mit mehrfachen Sinnesbeeinträchtigungen oder komplexen Beeinträchtigungen erfolgt häufig keine angemessene Diagnostik und Versorgung.
Im Mittelpunkt des Projektes stehen eine zielgerichtete Diagnostik der Hör- und Sehfähigkeiten, die Zusammenführung vorhandener Befunde sowie eine bedarfsgerechte Beratung. Dabei wird die Zusammenarbeit zwischen Medizin und Pädagogik gezielt gefördert. Das Angebot wird an den Diagnostik- und Versorgungsstützpunkten (DVSP) Hannover, Berlin, Würzburg und Stuttgart umgesetzt. Das Projekt läuft zunächst bis zum 31.08.2027 und verfolgt das Ziel, bestehende Versorgungslücken für Menschen mit mehrfacher Sinnesbehinderung zu schließen. Gefördert wird das Projekt durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses. Die wissenschaftliche Evaluation übernimmt die Sektion Versorgungsforschung und Rehabilitationsforschung (SEVERA) der Universitätsklinik Freiburg.
Das Projekt richtet sich an Menschen mit bereits diagnostizierter oder vermuteter Taubblindheit, fortschreitenden Sinnesbeeinträchtigungen oder unklarer Einschätzung. Es gibt kein festgelegtes Einzugsgebiet. Die Teilnahme ist kostenfrei, setzt lediglich eine gesetzliche Krankenversicherung voraus und erfordert keine ärztliche Überweisung. Es gibt keine altersspezifischen Einschränkungen und auch Menschen mit komplexen Behinderungen sind willkommen.
Der Ablauf umfasst unter anderem eine telefonische oder digitale Kontaktaufnahme, ein Erstgespräch, die Teilnahme an einer begleitenden Evaluationsstudie sowie die Diagnostik. Anschließend werden Betroffene bei Bedarf an Beratungsstellen, Hilfsmittelanbieter, Selbsthilfegruppen oder Assistenzdienste vermittelt. Auch eine längerfristige Begleitung ist möglich. Das Projekt wird wissenschaftlich evaluiert, um eine dauerhafte Überführung in die Regelversorgung zu ermöglichen.
Für Neuanmeldungen gilt derzeit ein Aufnahmestopp ab September 2026. Eine Verlängerung wird angestrebt.
Die Informationsveranstaltung wird mehrfach wiederholt, am 5. Oktober wird sie dabei von DGS-Dolmetscher*innen begleitet.
Weiter Informationen zum Projekt gibt es hier.